Eine der größten Herausforderungen meiner Krankheit ist es, zu akzeptieren, dass Wille und Körper sich oft nicht vertragen. Ich möchte etwas bestimmtes tun, aber der Körper streikt. Zu Beispiel möchte ich gerne jemandem eine Email schreiben. Keine große Sache, aber schon beim Gedanken daran, mich an den Schreibtisch vor den PC zu setzen, führt zu einer Verkrampfung der Bauchmuskeln. Diese Bauchschmerzen sind so heftig, dass ich mich einfach nur ausgestreckt ins Bett lege und versuche, tief und gleichmäßig zu atmen. Meistens geht es mir nach 20 Minuten etwas besser, zur Not nehme ich mir auch mal ein paar Schmerztropfen.

Biologisch gesehen kommen die Schmerzen dadurch, dass ich zu wenig aufrecht sitze oder gehe. Die Bauchmuskulatur wird dadurch schwächer, die Darmtätigkeit sinkt und “normale” Tätigkeiten verursachen Probleme, die ich früher nie kannte. Das ist extrem frustrierend und führt dazu, dass manche Dinge liegen bleiben – und dadurch die psychische Belastung weiter steigt.

Witzigerweise sind diese Probleme an einem anderen Tag viel geringer oder gar nicht vorhanden. Die Psyche spielt bei tödlichen Erkrankungen eine enorme Rolle. Bisher habe ich noch keine psychologische Hilfe in Anspruch genommen, aber an manchen Tagen habe ich schon darüber nachgedacht und mit meiner Frau darüber gesprochen. Selbstmord, Umgang mit der “Unheilbarkeit”, Umgang mit Schmerzen bzw. Schmerzmitteln, mit “Sorgen” besonders um die Familie, finanzielle Herausforderungen werden zu Themen, die früher völlig bedeutungslos waren.

Körper und Willen zusammen zu bringen, war und ist für gesunde Leute eher mit Selbstdisziplin, Zielorientierung u.ä. verbunden. Früher habe ich mich oft mit diesen Themen beschäftigt. Heute nerven mich Motivationssprüche wie “Du kannst alles, wenn du nur willst!” enorm, denn ich fühle mich in meiner Situation nicht ernst genommen. Dementsprechend lese ich heute deutlich weniger über diese Themen….

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